Über die Lücke zwischen dem, was man sagt zu wollen, und dem, was man tut.
Kategorie: Führung & Entscheidungen
Lesezeit: 8 Min.
Frag die meisten Menschen nach ihren Werten, und sie antworten schnell. Familie. Integrität. Freiheit. Gesundheit. Das klingt klar — und ist es vielleicht auch.
Aber dann schau dir an, wie diese Menschen ihre Zeit verbringen, ihre Entscheidungen treffen, ihren Alltag gestalten. Und meistens stimmt beides nicht überein. Nicht weil diese Menschen lügen. Sondern weil Werte, die man benennen kann, und Werte, nach denen man wirklich lebt, zwei verschiedene Dinge sind.
Was du dir sagst, ist: Ich weiss, was mir wichtig ist. Was du dir nicht sagst — weil es unangenehm ist — ist das: Handle ich wirklich danach?
Das ist keine moralische Frage. Es ist eine Funktionsfrage. Denn wer regelmässig gegen seine eigenen Werte handelt — auch wenn er das nicht bewusst merkt — spürt das als innere Reibung. Als Unbehagen ohne klaren Grund. Als Gefühl, dass etwas nicht stimmt, obwohl doch alles in Ordnung sein sollte.
Was Werte wirklich sindWerte sind keine Überzeugungen, die man formuliert. Werte sind die Dinge, für die man Kosten auf sich nimmt — Zeit, Energie, Geld, Komfort, Beziehungen. Was wir wirklich wertschätzen, zeigt sich nicht in dem, was wir sagen. Es zeigt sich darin, was wir tun, wenn es unbequem wird. |
Die meisten Menschen haben zwei Schichten von Werten. Die erste Schicht sind die Werte, die sie gelernt haben — von der Familie, von der Gesellschaft, von der Umgebung, in der sie aufgewachsen sind. Diese Werte sind oft präsent und leicht zu benennen.
Die zweite Schicht sind die Werte, die wirklich handlungsleitend sind. Die, nach denen man tatsächlich entscheidet — auch wenn man sie nicht so nennen würde, auch wenn sie mit der ersten Schicht in Konflikt stehen. Diese sind schwerer zu benennen, aber sie sind die eigentlichen Treiber.
Wenn beide Schichten übereinstimmen, fühlt sich das Leben stimmig an. Wenn sie auseinanderfallen — wenn man nach Werten aus Schicht eins spricht und nach Werten aus Schicht zwei handelt — entsteht eine innere Spannung, die sich wie Unehrlichkeit anfühlt, ohne dass man genau benennen kann, wem gegenüber.
Mehr Selbstdisziplin hilft nicht. Wenn deine Handlungen von Werten aus Schicht zwei geführt werden, wirst du immer wieder zurückfallen — egal wie viel Willenskraft du investierst. Du löst das falsche Problem.
Auch eine neue Werte-Liste hilft nicht. Du kannst dir aufschreiben, was dir wichtig sein sollte. Das ändert nichts an dem, was wirklich dein Handeln steuert.
Was hilft, ist das Ehrlichmachen der zweiten Schicht. Nicht um sie zu verurteilen — sondern um zu verstehen, was wirklich in dir wirkt. Erst wenn du das weisst, kannst du entscheiden, ob du das ändern willst.
Es gibt eine Frage, die sehr präzise zwischen den Schichten unterscheidet: Bei welchen Entscheidungen der letzten drei Monate habe ich hinterher das Gefühl gehabt, dass sie nicht wirklich meine waren?
Das sind die Entscheidungen, bei denen deine erste Schicht gesprochen hat, aber deine zweite Schicht gezogen hat. Oder umgekehrt. Diese Entscheidungen sind keine Fehler — sie sind Information. Sie zeigen dir, wo deine Werte noch nicht geklärt sind.
Der Innere KompassDas System des Inneren Kompass arbeitet genau hier: nicht mit vorgegebenen Werte-Listen, sondern mit den Werten, die sich im echten Leben zeigen. Was du tatsächlich tust, wenn es drauf ankommt — das ist dein Kompass. Und der kann kalibriert werden. | ||
Nächster SchrittWenn du verstehen willst, welche Werte wirklich dein Handeln steuern — und ob das noch das ist, was du willst: Schreib mir. Das erste Gespräch dauert sechzig Minuten und beginnt genau hier. info@viventis.net · viventis.net | ||
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