Authentizität in der Führung: Haltung statt Ungefiltertheit

In der Geschäftsleitungssitzung platzt es aus ihm heraus, als der Bereichsleiter zum dritten Mal dieselbe Kennzahl schönredet. Er sagt genau, was er denkt, unverblümt, ohne Umweg. Danach lehnt er sich zurück und meint, das sei eben seine Art, er sei halt ehrlich, er sage, was er denke. Im Raum wird es still. Niemand widerspricht ihm, aber auch niemand fühlt sich nach diesem Moment sicherer oder klarer als vorher. Das Team wird nach solchen Szenen nicht offener, es wird vorsichtiger.
Kontrolle abgeben: Warum Nähe Verletzlichkeit braucht

Jemand fragt dich, wie es dir geht. Eine harmlose Frage, im Vorbeigehen gestellt, zwischen Tür und Angel, im Lift, am Rand einer Sitzung. Du antwortest, bevor du überhaupt darüber nachdenkst: „Gut, danke, viel los, aber gut.“ Der Satz ist so oft gefallen, dass er sich von selbst sagt. Dein Gegenüber nickt, zufrieden mit der Antwort, und das Gespräch geht weiter. Niemand hat gelogen, würde man meinen. Und doch weisst du in dem Moment, in dem du die Worte aussprichst, ganz genau: Das stimmt nicht. Nicht ganz. Vielleicht nicht einmal annähernd.
