Das mittlere Unbehagen, das keinen Namen hat.
Phase: Abholen
Lesezeit: 6 Min.
Es ist kein Drama. Kein Burnout, keine Krise, kein Grund zur Klage. Wenn jemand dich fragt, wie es dir geht, sagst du: gut. Und das stimmt auch irgendwie — nur eben nicht wirklich.
Es ist mehr ein Grauton. Eine Art Flachheit im Alltag, die sich nicht benennen lässt. Du machst die Dinge, die getan werden müssen. Du hast sogar Momente, in denen es Spass macht. Aber dieses Grundgefühl von Lebendigkeit, das du früher manchmal hattest — das ist weg. Und du weisst nicht mal genau, wann es gegangen ist.
Was du dir sagst, ist: Andere haben es schwerer. Ich soll froh sein, was ich habe. Und das stimmt natürlich. Aber diese Relativierung hat einen Preis: Sie verhindert, dass du die Frage stellst, die wirklich weiterführen würde.
Die Frage ist nicht: Warum bin ich so undankbar? Die Frage ist: Wann habe ich zuletzt etwas getan, das sich wirklich meins angefühlt hat?
KernunterschiedUnzufriedenheit ist nicht dasselbe wie Undankbarkeit. Du kannst dankbar sein für das, was du hast — und trotzdem spüren, dass etwas nicht stimmt. Beides gleichzeitig ist möglich. Und ehrlich. |
Das mittlere Unbehagen entsteht meistens nicht durch einen grossen Fehler, den du gemacht hast. Es entsteht durch viele kleine Anpassungen über viele Jahre — kleine Kompromisse, die einzeln alle vernünftig waren, aber in ihrer Summe dazu geführt haben, dass du ein Leben führst, das mehr nach anderen aussieht als nach dir.
Du hast einen Job gewählt, der gut bezahlt. Du wohnst, wo die Schule gut ist. Du machst Urlaub, den alle schön finden. Du bist in Rollen gewachsen, die von aussen Sinn ergeben — Führungskraft, Elternteil, verlässliche Ansprechperson. Und irgendwo dabei ist die Frage verschwunden, was du eigentlich willst.
Das Ergebnis ist dieses Grau. Nicht weil du falsch entschieden hast. Sondern weil du aufgehört hast, dich zu fragen.
Eine neue Freizeitbeschäftigung hilft nicht — sie füllt die Zeit, aber nicht die Leere. Ein Urlaub hilft nicht — du kommst erholt zurück und das Grau ist immer noch da. Eine neue Stelle hilft auch nicht notwendigerweise — wenn du nicht weisst, was dich eigentlich bewegt, wirst du das Muster wiederholen.
Was ebenfalls nicht hilft: Warten. Das mittlere Unbehagen verschwindet nicht von selbst. Es wird stumpfer. Irgendwann merkst du gar nicht mehr, dass es da ist. Das klingt nach Erleichterung. Es ist keiner.
Es gibt eine Übung, die deceptively einfach klingt: Schreib auf, wann du zuletzt das Gefühl hattest, vollständig präsent zu sein. Nicht funktionierend. Nicht leistend. Wirklich da. Was hast du getan? Mit wem warst du? Was hat das ermöglicht?
Die Antwort auf diese Frage ist meistens ein Hinweis darauf, was fehlt — nicht was du haben oder tun solltest, sondern was in dir Resonanz erzeugt. Und Resonanz ist der Gegensatz von Grau.
Eine Frage zum MitnehmenWenn du die letzten zwölf Monate anschaust: Gab es einen Moment, in dem du dich lebendig gefühlt hast — nicht aufgeregt, sondern lebendig? Was war das? | ||
Nächster SchrittWenn du das Gespräch führen willst, das diese Frage wirklich beantwortet — nicht theoretisch, sondern konkret für deine Situation: Schreib mir. Sechzig Minuten, die dir mehr sagen als Monate des Wartens. info@viventis.net · +41 79 250 10 40 · viventis.net | ||
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