Warum ich immer sage, ich habe keine Zeit  — obwohl das nicht stimmt.

Zeit als Ausrede und was wirklich dahintersteckt

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KategorieFührung & Entscheidungen
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«Keine Zeit» ist der beliebteste Satz, den ich in Vorgesprächen höre. Keine Zeit für das, was einem eigentlich wichtig ist. Keine Zeit für die Dinge, die man schon lange tun wollte. Keine Zeit für sich selbst.

Ich glaube diesen Satz meistens nicht. Nicht weil die Menschen lügen. Sondern weil «keine Zeit» fast immer etwas anderes bedeutet.

Die Frage, die du dir nicht stellst

Was du dir sagst, ist: Wenn ich mehr Zeit hätte, würde ich das tun. Was du dir nicht sagst, ist das: Ich habe mehr Zeit als ich zugebe — aber ich verwende sie für Dinge, die mir einfacher fallen als das, was ich eigentlich tun wollte.

Das ist keine Selbstkritik. Es ist Physik. Wir alle tendieren dazu, das Einfache vor das Wichtige zu stellen. Das Meeting zu beantworten statt das schwierige Gespräch zu suchen. Zu scrollen statt nachzudenken. Das Dringende vor dem Richtigen zu erledigen. Das nennt man nicht Zeitproblem. Das nennt man Prioritätenproblem.

Der Unterschied

Wer wirklich keine Zeit hat, wählt. Wer sagt, er hat keine Zeit, vermeidet. Der Unterschied ist entscheidend — denn das erste hat eine praktische Lösung, das zweite hat eine tiefere.

Was wirklich dahintersteckt

Hinter «keine Zeit» stecken meistens eines von drei Dingen. Das erste: Du weisst eigentlich nicht, was du mit der Zeit tun würdest, wenn du sie hättest. Das Ziel ist unklar. Also füllt sich die Zeit automatisch mit dem, was eben ansteht.

Das zweite: Du weisst es, aber der Schritt, den es braucht, fühlt sich zu gross an. Dann ist «keine Zeit» eine bequeme Ausrede — für dich selbst und für andere.

Das dritte: Das, wofür du «keine Zeit» hast, ist mit Konsequenzen verbunden, die du noch nicht bereit bist zu tragen. Dann ist «keine Zeit» kein logistisches Problem, sondern ein Mut-Problem.

In allen drei Fällen hilft ein Kalender-Optimierungs-Kurs nicht. In allen drei Fällen braucht es eine andere Frage.

Was nicht hilft

Zeitmanagement-Methoden helfen nicht — sie optimieren die Effizienz beim Falschen. Früher aufstehen hilft nicht — du hast dann mehr Zeit für die gleichen Ausweichmanöver. Weniger Netflix hilft nicht — das schafft Raum, den du dann sowieso wieder füllst, wenn du nicht weisst, womit.

Was ebenfalls nicht hilft: sich zu verurteilen. «Ich bin einfach nicht diszipliniert genug» ist keine Erklärung. Es ist eine weitere Ausrede, die verhindert, dass du schaust, was wirklich passiert.

Was stattdessen trägt

Die ehrlichste Frage, die du dir stellen kannst: Was würde ich als erstes tun, wenn ich morgen einen freien Tag hätte — einen Tag, wo ich nichts muss und alles darf?

Und dann: Warum tue ich das nicht öfter?

Die Antwort auf die zweite Frage ist meistens die eigentliche. Nicht die Antwort auf die erste.

Eine Übung

Nimm die letzte Woche. Schreib auf, womit du deine Zeit wirklich verbracht hast — nicht was im Kalender stand, sondern was du tatsächlich getan hast. Dann schreib daneben, was dir wichtig ist. Die Lücke zwischen beiden Spalten ist nicht ein Zeitproblem. Es ist ein Klarheitsproblem.

Nächster Schritt

Wenn du verstehen willst, was dich davon abhält, deine Zeit für das zu verwenden, was dir wirklich wichtig ist: Schreib mir. Nicht um einen Plan zu bekommen — sondern um zu verstehen, was hinter der Ausrede steckt.

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